Internationale Gesellschaft für Neue Musik


«Collisions»

24.09.2016 Vor 815 Tagen | Physikalisches Institut der Uni Bern, Sidlerstrasse 5, 3012 Bern, Hörsaal 099

«Is the Moon still there if I do not look at it?»

Mit: Virginia Arancio (Gitarre und Konzept),Theresa Hackel (Blockflöten) und Marco de Mutiis (Video) sowie einer Einführung von Sigve Haug

Programm 

Giacinto Scelsi (1905-1988): «KO-THA II» (1967)
Maki Ishii (1936-2003): «Black Intention» (1976)
Mathieu Corajod (*1989): «Collision I» (2016, Uraufführung)
Giacinto Scelsi (1905-1988): «KO-THA III» (1967)
Teresa Hackel (*1981): Improvisation for recorder
Mathieu Corajod: (*1989) «Vacuum fluctuations» (2016, Uraufführung)
Fausto Romitelli (1963-2004): «Simmetria d'oggetti» (1987-88)
Mathieu Corajod (*1989): «Questions de temps» (2016, Uraufführung)

Eintritt frei

Wenn im Large Hadron Collider im CERN zwei Partikel kollidieren, setzen sie das vielfache an Energie frei und produzieren eine Vielzahl an neuen Partikeln. Dieses faszinierende Phänomen, dem die Physiker als Schlüssel zur Erklärung des Big Bang auf der Spur sind, ist der Ausgangspunkt für das Projekt «Collisions». 
Kunst trifft hier auf Wissenschaft; Musik und Video-Kunst kollidieren sozusagen mit der Physik.

Während sich die Gitarristin Virginia Arancio intensiv mit dem Stück «Ko-Tha» von Giacinto Sclesi beschäftigte, entdeckte sie die Bedeutung der Gottheit Shiva, der das Stück gewidmet ist. Sie steht gleichzeitig für Destruktion und die Erschaffung von Neuem. Man mag es als Zufall bezeichnen, dass eben eine solche Shiva Statute auch im Cern (ein Geschenk Indiens) zu finden ist. Für Virginia Arancio war dieser Zufall Inspiration genug sich dem Zusammenhang von Musik, östlicher Mystik und Physik zu nähern. 

Der Komponist Mathieu Corajod kombiniert in seiner dreiteiligen Uraufführung die Partikel aus dem Large Hadron Collider zu einer grafischen Partitur, übersetzt die freien Zustände von virtuellen und tatsächlichen Teilchen der Masse, Energie und Leere in Töne und verarbeitet auch die Geschichte des Galileo Gallilei. 

Der Video-Künstler Marco De Mutiis arbeitet mit abstrakten Bewegungsbahnen der Mikrostrukturen und Partikel. Seine Visualisierungen begleiten die musikalische Aufführung und spielen mit der spannungsgeladenen Fragilität der Partikel kurz vor der Kollision stehen.

In seiner Einführung «Waves in Music and Particle Physics» spricht der Physiker Sigve Haug über das Konzept von Wellen, das eben so bei der Beschreibung von Musik wie auch von Elementarteilchen angewandt wird. Dabei bringt er faszinierende Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Klang- und Partikelwellen zur Diskussion.


© 2018

Internationale Gesellschaft für neue Musik - Bern